“On Truth and Lie in an Extra-Moral Sense“ by Peter Stamer, performed by Frank Willens

Posthume Fragmente. „In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der “Weltgeschichte”: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mussten sterben.“ (Friedrich Nietzsche, 1873)

„Ohne Nietzsche gäbe es kein zeitgenössisches Denken, und damit wohl auch keinen zeitgenössischen Körper.“ Ich schreibe das, während ich in einer Probe sitze, in welcher Tänzer nichts Anderes tun, als sich gegen den Boden zu stemmen, sich von ihm abzudrücken und so ihre Muskeln ausbilden, ihre Sehnen flexibel halten. Nietzsche macht genau das. Er schreibt gegen die Schwerkraft des Denkens an und trainiert so die Denkmuskeln, er schreibt gegen die Trägheit der Gedankenverhaftung an und bringt sie in Bewegung. Seine Wörter haben Gewicht, sein Denken - einen Körper. (Peter Stamer)

Dieses Performance-Projekt wird vom Goethe-Zentrum Tirana unterstützt.

Peter Stamer (DE/A) arbeitet als Regisseur, Performer, Kurator, Autor und Mentor im Bereich der zeitgenössischen darstellenden und installativen Künste. Zu seinen letzten Arbeiten zählen neben der theatralen Umsetzung von Nietzsches Essay „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“ u.a. das internationale Performance-Bau-Projekt „A Future Archeology“ in Berlin, Wien und Kairo (2013), welches zu einer Buchpublikation „How to Collaborate? – Questioning Togetherness in the Performing Arts“ im Jahre 2016 führte, die performative Installation mit dem Film „26 Letters to Deleuze“ (EMPAC New York) 2014, „The Circus of Life A-Z“ (zusammen mit Yosi Wanunu) am Tanzquartier Wien (2015) oder die Theateradaptation von Franz Kafkas Erzählung „In der Strafkolonie“ im Wiener Museum für Moderne Kunst (2019).

Frank Willens (US/DE) ist Tänzer, Choreograf und Performer. Er wuchs in Kalifornien auf und lebt und arbeitet seit 2003 in Berlin. Unter seinen eigenen künstlerischen Projekten sind „Gimme Shelter“ (2010), „Schweigstück“ (2011), „Towards Another Miraculous“ (2014) und ein Beitrag zu X-Firmen bei Theater der Welt in Mannheim 2014 zu nennen. Frank Willens entwickelte 2015 in Zusammenarbeit mit dem Transform Festival Leeds ein künstlerisches Projekt und leitete 2016 ein Residenz-Labor-Projekt am Kunstmuseum Bonn. Sein neues Solo ”sixty minutes towards being here or what we can do until we do what we can do” wurde im Januar 2017 am dock 11 in Berlin uraufgeführt. “On Truth and Lie in an Extra-Moral Sense“ ist bereits die fünfte Zusammenarbeit mit Peter Stamer.



Donnerstag, 15.10.2020
19.00 Uhr
Tirana, Pazari i Ri

Diese Veranstaltung ist Teil des Deutschen Oktobers 2020 "Perspektive: Europa".



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